Bei hartnäckigen Sehnenbeschwerden · Ergänzung zu PACE4-Phase C

Stoßwelle & Regeneration

Bei manchen länger bestehenden Sehnenbeschwerden kann eine Stoßwellenbehandlung den Belastungsaufbau ergänzen. Für einige Beschwerden ist die Wirkung in Studien gut belegt, für andere ist die Datenlage dünn. Wir sagen Ihnen vorher, zu welcher Gruppe Ihre Beschwerden gehören, und behandeln nur, wenn es begründet ist.

Stoßwelle an der Achillessehne

Eckdaten

Dauer15–20 Minuten pro Sitzung, meist 3 Sitzungen im Abstand von einer Woche

Kostennach Anzahl der Sitzungen, Kostenvoranschlag nach der Untersuchung

KostenübernahmePrivatleistung; private Zusatzversicherungen erstatten teilweise

Vorbereitungkeine; bitte sagen Sie uns, ob Sie blutverdünnende Medikamente nehmen oder schwanger sind

Für wen: Beschwerden und Datenlage

Stoßwelle kommt bei uns für Beschwerden infrage, die seit mindestens drei Monaten bestehen und sich mit gezieltem Training allein nicht ausreichend gebessert haben. Die Einschätzung der Datenlage bei jeder Karte beruht auf dem aktuellen Stand der Studien und Leitlinien; sie kann sich ändern.

Kalkschulter

Kalkablagerungen in einer Sehne der Rotatorenmanschette.

Datenlage: gut belegt, vor allem für die fokussierte Stoßwelle.

Fersenschmerz (Plantarfasziitis)

Anlaufschmerz an der Fußsohle am Fersenbein, seit Monaten.

Datenlage: gut belegt.

Achillessehne

Beschwerden im mittleren Teil der Sehne oder an ihrem Ansatz am Fersenbein.

Datenlage: mäßig belegt; am besten in Kombination mit Krafttraining der Wade.

Seitlicher Hüftschmerz

Schmerzen über dem großen Rollhügel, oft beim Liegen auf der Seite.

Datenlage: mäßig belegt.

Patellasehne (Springerknie)

Schmerz knapp unter der Kniescheibe, typisch nach Sprungbelastung.

Datenlage: uneinheitlich; Krafttraining ist die Grundlage, Stoßwelle eine mögliche Ergänzung.

Tennisellenbogen

Schmerz an der Außenseite des Ellenbogens.

Datenlage: dünn; ein Nutzen gegenüber einer Scheinbehandlung ist nicht sicher gezeigt. Wir besprechen mit Ihnen, ob ein Versuch sinnvoll ist.

Wofür wir die Stoßwelle nicht einsetzen

  • Frische Verletzungen wie Zerrungen, Muskelfaserrisse oder Bänderverletzungen: Hier fehlen belastbare Belege, und das Gewebe braucht zuerst Heilung und dosierte Belastung.
  • Sehnenrisse: Sie gehören in ärztliche, gegebenenfalls operative Behandlung.
  • Arthrose und Rückenschmerzen: Die Datenlage reicht nicht für eine Empfehlung.
  • Allgemeine Regeneration nach Training oder Wettkampf: Dafür gibt es keinen Beleg.
  • Muskelverspannungen: Radiale Geräte werden dafür oft angeboten; die Datenlage ist dünn. Physiotherapie und Training sind hier die bessere Wahl.

Gegenanzeigen, bei denen wir nicht behandeln oder erst Rücksprache halten:

  • Schwangerschaft
  • Gerinnungsstörungen oder gerinnungshemmende Medikamente
  • Tumor oder Infektion im Behandlungsgebiet
  • offene Wachstumsfugen im Behandlungsgebiet, also bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum
  • Kortisoninjektion in das Behandlungsgebiet in den Wochen davor
  • Herzschrittmacher oder andere elektronische Implantate (bitte vorher angeben)

Fokussiert oder radial

Fokussierte Stoßwelle. Die Energie bündelt sich in einem kleinen Bereich in der Tiefe. Wir richten sie mit dem Ultraschall genau auf die betroffene Stelle aus, etwa auf ein Kalkdepot in der Schulter.

Radiale Stoßwelle. Genau genommen eine Druckwelle, die sich vom Handstück aus fächerförmig ausbreitet und an der Hautoberfläche am stärksten ist. Sie eignet sich für oberflächennahe Strukturen wie die Plantarfaszie, die Achillessehne oder die Patellasehne.

Welche Form wir wählen, hängt vom Befund ab, nicht vom Preis. Bei einigen Beschwerden sind beide Formen untersucht; dann entscheiden Lage und Tiefe der Stelle.

Fokussierte Stoßwelle an der Schulter: Ärztin setzt das Handstück an, Ultraschallbild zur Ortung im Hintergrund, Patientin sitzend, Seitenlicht

Ablauf

  1. Untersuchung mit Ultraschall. Wir sichern die Diagnose, prüfen die Gegenanzeigen und sagen Ihnen, wie gut die Stoßwelle bei Ihren Beschwerden belegt ist. Sie erhalten einen Kostenvoranschlag.
  2. Sitzungen. Meist drei, manchmal bis zu fünf, im Abstand von etwa einer Woche. Jede Sitzung dauert 15–20 Minuten. Wir behandeln in der Regel ohne örtliche Betäubung und richten die Intensität nach Ihrer Rückmeldung.
  3. Belastungsprogramm zwischen den Sitzungen. Das Training ist der Kern der Behandlung, die Stoßwelle eine Ergänzung. Sie erhalten ein Programm für zu Hause, bei Bedarf begleitet von der Sportphysiotherapie.
  4. Kontrolle nach 6–12 Wochen. Die Wirkung entwickelt sich über Wochen, nicht über Nacht. Wenn sich nach einer Serie nichts bessert, wiederholen wir sie nicht einfach, sondern überlegen neu.
Einbeiniges Wadenheben auf einer Stufe mit Zusatzgewicht, Physiotherapeutin im Anschnitt, Fokus auf Wade und Ferse

Nebenwirkungen

Die Behandlung ist unangenehm, manchmal schmerzhaft, aber gut steuerbar. Häufig sind Rötung, leichte Schwellung, kleine Hautblutungen oder ein Bluterguss an der behandelten Stelle. Die Beschwerden können ein bis zwei Tage lang etwas stärker sein. Schwere Komplikationen sind selten.

In den ersten zwei Tagen nach einer Sitzung sollten Sie die behandelte Sehne nicht maximal belasten. Normale Bewegung im Alltag ist erlaubt.

Regeneration: was belegt ist

Regeneration verstehen wir als Teil der Trainingsplanung, nicht als eigene Behandlung. Die Wirkung der einzelnen Maßnahmen ist sehr unterschiedlich gut untersucht:

Gut belegt

  • Ausreichend Schlaf, bei den meisten Erwachsenen sieben bis neun Stunden
  • Genügend Energie, Kohlenhydrate und Eiweiß, passend zum Trainingsumfang
  • Belastungssteuerung: harte und lockere Tage im Wechsel, Ruhetage, allmähliche Steigerung

Kleine, vor allem subjektive Effekte

  • Massage, Faszienrolle und Kompressionskleidung: Muskelkater fühlt sich weniger stark an, die Beweglichkeit ist kurzfristig besser. Auf die Leistung wirken sie kaum.

Unklar oder mit Vorbehalt

  • Kältebad direkt nach Krafttraining: Kann das Wohlbefinden verbessern, regelmäßig angewendet aber möglicherweise den Muskelaufbau bremsen.
  • Nahrungsergänzungsmittel für die „Regeneration“: Für die meisten Produkte fehlt ein Nutzen bei ausgewogener Ernährung.

Was wir anbieten: Sportphysiotherapie, Beratung durch unsere Ernährungsfachkraft und einen Blick auf Ihren Trainingsplan. Wenn die Erholung trotz allem nicht mehr funktioniert, prüfen wir auch ärztlich, ob mehr dahintersteckt, etwa ein Eisenmangel oder zu wenig Energie für das Training (RED-S).

Was Sie bekommen

  • Befund und Einschätzung nach der Untersuchung: Diagnose, Datenlage für Ihre Beschwerden, Empfehlung für oder gegen Stoßwelle
  • Kostenvoranschlag mit der geplanten Zahl der Sitzungen
  • Behandlungsprotokoll mit Geräteform, Energie und Impulszahl je Sitzung
  • Übungsprogramm für den Belastungsaufbau, mit Videos
  • Kontrolltermin nach 6–12 Wochen mit Vergleich zu Ihrem Ausgangswert

Häufige Fragen

Tut die Behandlung weh?

Sie ist unangenehm und an empfindlichen Stellen schmerzhaft. Wir beginnen niedrig und steigern nach Ihrer Rückmeldung. Sie können jederzeit eine Pause verlangen.

Wie viele Sitzungen brauche ich?

Meist drei, manchmal bis zu fünf, im Abstand von etwa einer Woche. Mehr Sitzungen bedeuten nicht automatisch mehr Wirkung.

Wann merke ich eine Besserung?

Oft erst nach einigen Wochen. Wir kontrollieren deshalb nach 6–12 Wochen und entscheiden dann, wie es weitergeht.

Darf ich während der Behandlung weiter trainieren?

Ja, meist sogar ausdrücklich. Wir legen fest, welche Belastung die Sehne verträgt; nur in den zwei Tagen nach einer Sitzung sollten Sie sie nicht maximal belasten.

Was, wenn die Stoßwelle nicht hilft?

Dann überprüfen wir Diagnose und Trainingsprogramm. Nicht jede Beschwerde spricht an, und bei einigen Indikationen ist das auch nicht zu erwarten. Wir sagen Ihnen offen, welche weiteren Möglichkeiten es gibt.

Passt dazu