5 Min. Lesezeit · Medizinisch geprüft am 8. Juli 2026 · Prof. Dr. Elena Plangger · Unter Mitarbeit von Anna Pircher, Diätologin
Wer viel trainiert und zu wenig isst, gerät in ein Energiedefizit, oft ohne es zu merken. Woran Sie es erkennen, warum es Männer ebenso betrifft und was hilft.

Das Wichtigste in Kürze
- RED-S entsteht, wenn nach dem Training zu wenig Energie für die übrigen Aufgaben des Körpers bleibt. Das passiert oft unbeabsichtigt, etwa wenn der Umfang steigt und das Essen nicht mitwächst.
- Warnzeichen sind unter anderem eine ausbleibende Periode, Ermüdungsbrüche, häufige Infekte und eine Leistung, die trotz Training sinkt. Männer sind ebenfalls betroffen.
- Die Behandlung heißt: wieder mehr Energie verfügbar machen, durch mehr Essen, weniger Training oder beides, begleitet von Ärztin, Diätologin und bei Bedarf psychologischer Unterstützung.
Energie, die nach dem Training übrig bleibt
Der Körper braucht Energie nicht nur zum Trainieren. Er braucht sie für Hormone, Knochenaufbau, Immunsystem, Verdauung, Wärme, Konzentration. Sportmedizinisch sprechen wir von Energieverfügbarkeit: Das ist die Energie, die nach Abzug des Trainingsverbrauchs für all diese Aufgaben bleibt.
Ist sie über längere Zeit zu niedrig, beginnt der Körper zu sparen. Er fährt Funktionen herunter, die für das Überleben im Moment nicht nötig sind: den Monatszyklus, den Knochenaufbau, einen Teil des Stoffwechsels. Das folgende Beschwerdebild heißt Relatives Energiedefizit im Sport.
Aus RED-S wurde REDs
Das Internationale Olympische Komitee hat seine Empfehlungen 2023 überarbeitet und schreibt seither REDs. Gemeint ist dasselbe. Neu ist vor allem eine Unterscheidung: Ein kurzes Energiedefizit, etwa in einem Trainingslager, kann der Körper gut ausgleichen. Problematisch wird es, wenn es lange anhält oder sehr ausgeprägt ist. Einen einzelnen Grenzwert, der für alle gilt, gibt es nicht.
Wie es dazu kommt
Häufiger als gedacht passiert es ohne Absicht. Der Trainingsumfang steigt vor einem Rennen, das Frühstück fällt wegen der frühen Einheit aus, nach harten Intervallen fehlt der Appetit, zwischen Arbeit, Familie und Training bleibt keine Zeit für eine richtige Mahlzeit.
Manchmal steckt der Wunsch dahinter, leichter oder schlanker zu werden. Das betrifft besonders Sportarten, in denen das Körpergewicht eine Rolle spielt: Laufen, Skibergsteigen, Radfahren, Klettern, Tanz, Sportarten mit Gewichtsklassen. Aus bewusstem Weglassen kann ein gestörtes Essverhalten werden. Jugendliche im Wachstum sind besonders empfindlich, weil sie zusätzlich Energie für die Entwicklung brauchen.
Woran Sie es merken
- Frauen: Der Zyklus wird unregelmäßig oder die Periode bleibt aus. Wichtig: Die Pille kann das verdecken, denn die Blutung in der Einnahmepause ist keine echte Periode.
- Männer: weniger Lust auf Sex, seltener morgendliche Erektionen.
- Beide: Ermüdungsbrüche, häufige Infekte, anhaltende Müdigkeit, Frieren, Magen-Darm-Beschwerden, Reizbarkeit, schlechte Konzentration.
- Im Training: Die Leistung stagniert oder sinkt, obwohl Sie mehr trainieren. Die Erholung dauert länger.
Warum es nicht egal ist
Knochenmasse wird bis ins junge Erwachsenenalter aufgebaut. Was in dieser Zeit fehlt, lässt sich später nur schwer nachholen. Ein anhaltendes Energiedefizit kann deshalb Folgen haben, die über die aktuelle Saison hinausreichen. Dazu kommt ein höheres Verletzungsrisiko, und Training wirkt schlechter, wenn dem Körper die Energie zum Anpassen fehlt.
Wie wir abklären
Einen einzelnen Test für RED-S gibt es nicht. Wir fragen nach Training, Essen, Zyklus und Verletzungen, untersuchen Sie und bestimmen Blutwerte, darunter Hormone und Eisenstatus. Bei Bedarf messen wir die Knochendichte mit DXA. Genauso wichtig ist, andere Ursachen auszuschließen, etwa eine Schilddrüsenerkrankung. Zur Einschätzung des Schweregrads nutzen wir das klinische Bewertungsinstrument aus dem IOC-Konsensus.
Was hilft
Im Kern geht es darum, die Energieverfügbarkeit wieder zu erhöhen. Meist heißt das: regelmäßiger und mehr essen, besonders rund um das Training, und die Belastung vorübergehend anpassen. Unsere Diätologin erarbeitet mit Ihnen einen Plan, der zu Ihrem Alltag passt. Es geht dabei nicht um eine Diät, sondern um Verlässlichkeit: Frühstück vor der Morgeneinheit, eine Mahlzeit nach dem Training, Zwischenmahlzeiten an langen Tagen.
Steckt ein gestörtes Essverhalten dahinter, gehört psychologische oder psychotherapeutische Begleitung dazu. Geduld braucht es in jedem Fall: Bis sich der Zyklus normalisiert und die Knochen sich erholen, können Monate vergehen.
Für Eltern, Trainerinnen und Trainer
Kommentare zu Gewicht und Figur haben im Training keinen Platz, gemeinsames Wiegen in der Gruppe ebenso wenig. Wenn Ihnen auffällt, dass eine Sportlerin oder ein Sportler weniger isst, oft verletzt ist oder sich zurückzieht, sprechen Sie sie oder ihn allein und ohne Vorwurf an.
Wann Sie ärztlich abklären lassen sollten
- Die Periode bleibt drei Monate oder länger aus, oder sie hat mit 15 Jahren noch nicht eingesetzt.
- Sie hatten einen Ermüdungsbruch.
- Sie verlieren ungewollt Gewicht, oder Ihnen wird bei Belastung schwindlig.
- Gedanken ans Essen bestimmen Ihren Tag. Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt kann Sie an spezialisierte Stellen weitervermitteln.
Quellen
- Mountjoy M et al.: 2023 International Olympic Committee’s (IOC) consensus statement on Relative Energy Deficiency in Sport (REDs). British Journal of Sports Medicine, 2023.
- Mountjoy M et al.: The IOC consensus statement: beyond the Female Athlete Triad – Relative Energy Deficiency in Sport (RED-S). British Journal of Sports Medicine, 2014.
Passend dazu
- Leistung: Sportmedizinischer Check-up · im Shop: Check-up · € 390
- Movara Club: Webinar-Reihe „Essen für das Training“, drei Teile, im Club-Archiv
- Team: Anna Pircher, Diätologin
Prof. Dr. Elena Plangger ist Fachärztin für Sportmedizin, Gründerin und ärztliche Leiterin von MOVARA. Anna Pircher ist Diätologin im Team; ihre Schwerpunkte sind Sporternährung und Energieverfügbarkeit.
Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Untersuchung. Im Notfall: 112.
